Hitze belastet Tiere: Worauf Tierhaltende jetzt achten sollten
Hohe Temperaturen sind für Heim- und Nutztiere ein ernstes Tierwohlrisiko. Der Schweizer Tierschutz STS ruft Tierhaltende dazu auf, Tiere jetzt besonders gut vor Hitze zu schützen.
Die Schweiz erlebt derzeit heisse Tage. Temperaturen bis oder über 30 Grad belasten nicht nur Menschen, sondern auch Tiere. Viele Tiere können Hitze schlechter ausgleichen als wir. Sie sind darauf angewiesen, dass ihre Halterinnen und Halter rechtzeitig für Schatten, Wasser und Abkühlung sorgen. Jede Tierart hat ihre eigenen Wohlfühltemperaturen und reagiert unterschiedlich auf Hitze. Entscheidend ist nicht nur die Temperatur auf dem Thermometer, sondern die Temperatur dort, wo sich das Tier tatsächlich aufhält. Bei Hunden etwa kann es in Bodennähe deutlich heisser sein. Bei Kaninchen und Nagern kann sich ein Gehege stärker aufheizen als der Rest der Wohnung. Auch direkte Sonne und hohe Luftfeuchtigkeit verschärfen die Situation.
Heimtiere: Wasser, Schatten und Rückzugsorte
Tiere zu Hause sollten jederzeit Zugang zu frischem Wasser und kühlen Rückzugsorten haben. In der Wohnung helfen kühle Böden, Schatten, Lüften in den kühleren Tageszeiten oder geeignete Kühlmatten. Mit Hunden sollten Spaziergänge möglichst in die kühlen Morgen- und Abendstunden verlegt werden. Heisser Asphalt kann Pfoten verletzen und ist besonders für kleine Hunde belastend, weil sie näher am Boden laufen. Besonders gefährdet sind ältere, kranke oder kurzköpfige Hunde sowie übergewichtige Tiere. Auch Tiere mit stark verfilztem Fell oder solche, die aufgrund fehlender Behaarung nur wenig natürlichen Schutz vor Sonneneinstrahlung besitzen, können unter Hitze besonders leiden.
Bei Katzen kann es sinnvoll sein, mehrere Wasserschalen an verschiedenen Orten aufzustellen. Katzen mit Freigang sollten selbst wählen können, ob sie draussen oder drinnen bleiben. Besondere Vorsicht gilt bei Kaninchen und Nagern. Sie sollten weder auf dem Balkon noch im Garten direkter Sonne ausgesetzt sein. Schon ab etwa 25 Grad kann es für gewisse Kleinnager kritisch werden. Kühle Steinplatten, feuchte Tontöpfe oder ein Standortwechsel an einen kühleren Ort können helfen. Warnzeichen für Hitzestress sind je nach Tierart unter anderem Hecheln, Unruhe, Apathie, schnelle Atmung, Erbrechen, starker Speichelfluss oder ausgestrecktes Liegen. In solchen Fällen sollte das Tier rasch an einen kühlen Ort gebracht werden. Verbessert sich der Zustand nicht rasch oder verschlechtert er sich, sollte tierärztliche Hilfe beigezogen werden.
Was Nutztiere schützt
Hitze ist auch für Nutztiere eine grosse Belastung. Kühe, Schweine, Hühner und Schafe reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen. Für Weidetiere sind Schattenplätze, steter Zugang zu frischem Wasser und geeignete Abkühlungsmöglichkeiten besonders wichtig. Natürliche Schattenplätze unter Bäumen oder Sträuchern sind ideal. Fehlen solche, sollten zusätzliche Unterstände vorhanden sein, die allen Tieren Platz bieten. Bei Kühen spielt die Wasserversorgung eine zentrale Rolle. Der Wasserbedarf steigt bei Hitze deutlich. Auch im Stall sollten Frischluft, Luftbewegung und Abkühlungsmöglichkeiten vorhanden sein. Bei dauerhaft heissen Sommertagen empfiehlt es sich, die Tiere nachts weiden zu lassen.
Schweine sind besonders hitzeempfindlich, weil sie kaum schwitzen können. Sie brauchen deshalb kühle Liegeflächen, Schatten und im Freien geeignete Suhlen oder andere Möglichkeiten zur Abkühlung. In neu eingerichteten Ställen müssen für Schweine ab 25 kg in Gruppenhaltung sowie für Eber bei Hitze Abkühlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Was tun, wenn Weidetiere ohne Schatten oder Wasser beobachtet werden?
Wer Weidetiere ohne sichtbaren Schatten oder ohne Trinkwasser beobachtet, sollte zuerst versuchen, die Tierhalterin oder den Tierhalter zu verständigen. Ist niemand erreichbar oder wirkt die Situation akut, können Polizei, Veterinäramt oder der regionale Tierschutzverein kontaktiert werden. Wichtig: Hilfe sollte nur von ausserhalb und ohne Eigengefährdung geleistet werden.
Das Wichtigste auf einen Blick
Tierhaltende sollten an Hitzetagen besonders auf folgende Punkte achten:
- jederzeit frisches Wasser bereitstellen;
- kühle Rückzugsorte ermöglichen;
- direkte Sonneneinstrahlung vermeiden;
- Schatten auf Weiden, Balkonen und in Gehegen sicherstellen;
- Hunde möglichst nur morgens oder abends ausführen;
- Kaninchen und Nager besonders aufmerksam überwachen;
- Nutztiere auf Weiden und im Stall vor Hitzestress schützen;
- bei Warnzeichen rasch reagieren und bei Bedarf tierärztliche Hilfe holen.
Hitzeschutz ist keine Zusatzleistung. Er gehört zur Verantwortung jeder Tierhaltung. Wer Tiere hält, sollte sicherstellen, dass sie auch bei hohen Temperaturen geschützt sind.
